Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Fortbildung oder einem Seminar in der Uni und Ihnen brennt die ganze Zeit eine Frage auf der Zunge. Sie trauen sich aber einfach nicht, diese zu stellen – haben eine Blockade. Sei es, weil sich im Raum viele unbekannte Menschen befinden, oder sie denken, es wäre eine unangemessene Frage oder sie haben Angst, zurückgewiesen zu werden. Vielleicht kennen Sie solche Situation noch aus ihrer Schulzeit, ihrem Studium oder ähnlichen Umfeldern. Auch Lernenden in unserem Unterricht, in unseren Seminaren haben solche Blockaden. Dadurch bleiben nicht nur Diskussionspunkte unausgesprochen und Verständnisfragen unbeantwortet, viel entscheidender ist, dass jene Lernende unmotiviert sind und Lernchancen verpassen.

Alice Ahlers (2011)  fasst jenes Phänomen im Artikel „Schüchterne Schüler - Die große Angst vor dem Verhaspeln“ gut zusammen: introvertierte Teilnehmende wollten im Hintergrund bleiben und denken über ihr eigenes Handeln genauer nach.

Was machen wir als Lehrkräfte oder DozentInnen denn jetzt mit solchen Teilnehmern? Wir selbst bemerken das Unbehagen unserer SchülerInnen oder Studierenden meist nicht und wenn es dann noch weit mehr als 100 Teilnehmende sind, kann auf individuelle Bedürfnisse meist nicht eingegangen werden.

Daher haben wir uns in unserer Vorlesung etwas überlegt: Wir nutzen ein Etherpad als digitale Hilfe, durch das Studierende während einer Vorlesung anonym Fragen stellen/sammeln können. Auf jene Fragen wird dann am Ende jeder Sitzung eingegangen.

Wie soll das funktionieren?

Am Anfang der Vorlesung wurde darauf verwiesen, dass wir an Nachfragen und einer gemeinsamen Interaktion in der Gruppe sehr interessiert sind. Zudem möchten wir, dass Nachfragen gestellt werden, um Verständnisprobleme aufzugreifen und damit Lernprozesse anzuregen. Um die Vorlesung nicht zu unterbrechen, haben die Studierenden die Möglichkeit, während jeder Sitzung eigenen Fragen anonym in ein Etherpad zu schreiben.

Dafür wurde ein uniinternes Tool genutzt: PAD.UP (Alternativen finden Sie unter folgendem Link). Am Anfang jeder Sitzung wird der Link sowie der QR-Code zum Etherpad als Folie angezeigt. Die Studierenden haben nun die Möglichkeit, sich einzuloggen und während der Vorlesung anonym Fragen in das Etherpad zu schreiben, sei es organisatorische oder inhaltliche Fragen.

In den letzten fünf Minuten wurde das Etherpad durch uns geöffnet und auf alle Fragen der Studierenden eingegangen. Nicht nur, dass wir den Studierenden so zeigen, dass wir an ihrer Meinung interessiert sind, sondern auch, dass Fragen schriftlich festgehalten wurden und auch als Fragenprotokoll galten. Somit wurden Fragen aller Studierenden aufgegriffen und beantwortet.